ALTBAUWOHNUNG ZÜRICH
HISTORISCHES ALTSTADT-AMBIENTE
Patricia Horgan lebt seit 24 Jahren in einem sehr besonderen Haus – mitten in der Altstadt von Zürich. Die «Engelburg» wurde 1599 von Junker Hans-Jakob Schmid-Escher erworben und umgebaut. Die Familie Schmid-Escher lebte über mehrere Generationen in diesem Haus an der Kirchgasse. In den 70er Jahren erfolgte ein grosser Umbau, wodurch mehrere Wohnungen entstanden. Glücklicherweise erhielt und renovierte man viele originale Elemente aus dem 17. Jahrhundert. Die Stuckdecken in Patricia Horgans Wohnung werden dem Tiroler Stuckateur Johannes Schuler zugeschrieben, der auch die berühmten Decken des Zunfthauses «zur Meise» gestaltet hat.
GRANDEZZA UND WOHNGEFÜHL
Die grossen und hohen Räume liebt Patricia Horgan besonders. Früher hatte sie manchmal Empfänge mit bis zu 100 Leuten, die problemlos in der grossen Halle bewirtet werden konnten. «Eine Freundin meinte kürzlich, ich wohne in einem Palazzo. Dessen bin ich mir manchmal gar nicht mehr bewusst. Aber es stimmt natürlich.» Die Grössenverhältnisse sind auch das, was das Wohnen in den USA und der Schweiz am meisten voneinander unterscheidet. Horgan: «Ich habe mal mit einer Freundin ein Thanksgiving-Essen für Freunde vorbereitet. Wir standen den ganzen Tag in der Küche und dann bekamen wir den Truthahn nicht in den Ofen. Der Schweizer Backofen war zu schmal für unseren US-Turkey!»
DIE KRUXS VON ANTIKEN RÄUMEN
Solch historisches Ambiente verlangt nach einem gefühlvollen Einrichtungskonzept. Die Architektur der Wohnung mit den antiken Kachelöfen, dem Holz-Täfer und den Stuckdecken musste berücksichtigt werden. Horgan: «Natürlich hätte man problemlos ultramoderne Möbel reinstellen können. Aber das entspricht mir nicht. Ich mag es, Kontraste zwischen alt und modern herzustellen.» Und dann galt es auch noch, Umzugsprobleme zu berücksichtigen. Durch das schmale Treppenhaus und die kleinen Fenster hätten keine grossen Möbel hineingepasst. So wählte Patrica Horgan ein Minotti-Sofa, das man zerlegen konnte. «Das ist auch praktisch, wenn ich mal umziehen sollte. Ich kann es einfach anders zusammenbauen oder die Elemente einzeln stellen.»
MIT PASSION UND LIEBE
Patrica Horgan wünschte sich eine neue Einrichtung für Wohn- und Schlafzimmer. Nur die golden schimmernden Vorhänge sollten bleiben. Für die Umsetzung suchte sie Unterstützung bei Zingg Lamprecht: «Einrichtung ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Sie basiert auf Vertrauen und Sympathie, denn man lässt ja fremde Menschen in sein privatestes Umfeld.» Das Zingg-Lamprecht-Team und Innenarchitektin Melanie de Zarobe nehmen sich immer viel Zeit für ihre Kunden. De Zarobe: «Es geht darum herauszufinden, was unseren Kunden gefällt, und ihnen dann behutsam neue Ideen näherzubringen.» In der Kirchgasse ist ihr das perfekt gelungen. Patricia Horgan: «Ich liebe mein neues Wohnzimmer. Es ist viel wärmer als zuvor, alles wurde mit Passion und Liebe eingerichtet. Jetzt bin ich gerne in diesem Raum.»
COFFEE TABLE «HORGAN»
Patricia Horgans persönliches Lieblingsstück im neu eingerichteten Wohnzimmer ist der «Coffee Table» von Zoom by Mobimex: «Er wurde speziell für mich angefertigt und heisst jetzt sogar ‹Horgan›», erzählt sie. Aber eigentlich liebt sie alles in diesem Raum: «Ich mag besonders die Pinecone von ‹Fontana Arte›.» Licht ist ihr sehr wichtig, es soll die Farben im Raum unterstützen und für Ambiente sorgen. Melanie de Zarobe: «Die modernen Lampen müssen auf die antiken Elemente der Wohnung Rücksicht nehmen und eine Verbindung zu ihnen herstellen. Diese Bedingungen erfüllt die Deckenlampe ‹Soscik› von Terzani perfekt.»
STRUKTUREN UND FARBEN
Patricia Horgan mag strukturierte Stoffe und Oberflächen. Auch bei der Kunst bevorzugt sie reliefartige Bilder. Das spielte auch bei der Auswahl des Teppichs von Mischioff eine Rolle. Dieser sollte eine Symbiose bilden zwischen den Stil-Epochen Rokoko und Contemporary Modern. Aus der Ferne schimmert der doppellagige Teppich in seidigem Grau, kommt man näher, wird das Rokoko-Motiv sichtbar. Ebenfalls Sonderanfertigungen sind Hocker und Minotti-Sessel. Die goldfarbenen Keder entsprechen dem Farbkonzept des Raumes. Patricia Horgan: «Dieser kreative Prozess gemeinsam mit Melanie hat mir sehr viel Spass gemacht.»
EHRENPLATZ FÜR DEN BAUM
Jeder von uns hat ein Lieblingsstück, das meist ein Leben lang von Wohnung zu Wohnung wandert. Sei es ein Möbel, ein Bild oder gar ein kitschiges Souvenir. Bei Patricia Horgan ist es der Ficus im Wohnzimmer. «Ich habe den Baum zu meiner Beförderung zur Vize-Direktorin im Jahr 1988 erhalten.» Der inzwischen stattliche Baum erhielt im neuen Wohnzimmer einen Ehrenplatz am Fenster. Was hingegen nie in Patricia Horgans Wohnung kommen würde, sind Kunststoff-Möbel. Oder alles, was auch nur entfernt danach aussieht. Sie mag es klassisch-modern in wertvollen Materialien mit harmonischen Farben.
KUNST BEEINFLUSST DIE EINRICHTUNG
Kunst ist für Patricia Horgan sehr wichtig. Bilder und Skulpturen sind ein wichtiges Element der Einrichtung. Patricia Horgan: «In Esszimmer und Gang hängen Bilder von Chris Tanner, einem Künstler und ehemaligen Arbeitskollegen von mir. In das Bild ‹Herbstwald› von Walter Ropele habe ich mich auf der Stelle verliebt. Es stand bei Swiss Art Auction von Sotheby’s zum Verkauf und nun hängt es in meinem Schlafzimmer.» Darunter wurde die Andersen-Recamière von Minotti platziert. Das Blau des Veloursstoffes, eine Sonderausführung von Christian Fischbacher, verstärkt das dominante Rot im Gemälde. Das rote Kissen wiederum nimmt die Farbe auf. So korrespondieren Kunst und Einrichtung perfekt miteinander.
SPIEGEL-EFFEKTE UND WARMES LICHT
Die Decke in Patricia Horgans Schlafzimmer gilt als eine der am reichsten verzierten Rokoko-Decken Zürichs. Zur vorhandenen massiven Bettstatt aus Holz entschied sich die Kundin für zwei moderne, mit Antik-Spiegelglas verkleidete Nachttische «Tamara» von Koket aus Portugal. Dieses Glas imitiert naturgealtertes Spiegelglas und wirkt natürlicher zu antikem Mobiliar. In den hohen Nachttischen spiegelt sich nun die reiche Stuckdecke und kombiniert so Antikes mit moderner Leichtigkeit. Die klassisch interpretierte Tischleuchte «Pasteur» von Porta Romana verbreitet ein angenehmes warmes Licht.
ZUR PERSON
Die Amerikanerin Patricia Horgan kam 1986 beruflich in die Schweiz. Sie war damals für die UBS in New York tätig und erhielt die Möglichkeit, zwei Jahre in der Schweiz zu arbeiten. Sie blieb jedoch in Zürich und arbeitete als Managing Director bei der UBS in Zürich, bei der Deutschen Bank und bei der CS. Nach 10 Jahren in der Schweiz heiratete sie, 2000 liess sie sich einbürgern. Heute ist sie im Verwaltungsrat der Goldman Sachs Bank AG und setzt sich für verschiedene karitative Stiftungen wie «Ärzte ohne Grenzen» und «Room to Read» ein. Sie spricht perfekt Hochdeutsch, lernt jetzt aber auch noch fleissig «schwiizerdütsch».